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Torinel NewsMärz 2026
Krypto · PSD2 · MiCA · Zahlungsdienste

Krypto-Zahlungen unter PSD2 und MiCA

Warum 2026 die Schonfrist endet: Wenn ein Krypto-Dienst wie Zahlungsverkehr funktioniert, wird er wie Zahlungsverkehr geprüft.

Krypto / Zahlungsdienste9 Min. LesezeitTorinel Redaktion

Die EBA beendet die Toleranzphase für bestimmte Krypto-Zahlungsdienste.

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA hatte im Juni 2025 mit einem No-Action Letter die Schnittstelle zwischen PSD2 beziehungsweise PSD3 und MiCA konkretisiert. Kernpunkt: Bestimmte Tätigkeiten von Crypto-Asset Service Providern, die elektronische Geldtoken — Electronic Money Tokens, kurz EMTs — im Auftrag von Kunden übertragen oder verwahren, können zugleich Zahlungsdienste im Sinne von PSD2 sein.

Die EBA empfahl den nationalen Aufsichtsbehörden, PSD2-Anforderungen für diese eng umrissenen EMT-Tätigkeiten nicht sofort durchzusetzen, sondern eine Übergangsphase bis zum 2. März 2026 einzuräumen. Diese Phase sollte Anbietern ermöglichen, einen Antrag auf Zulassung als Zahlungsdienstleister zu stellen oder ihr Geschäftsmodell über einen bereits regulierten Zahlungsdienstleister abzusichern.

Am 12. Februar 2026 veröffentlichte die EBA eine weitere Opinion für den Ablauf dieser Übergangsphase. Sie beschreibt, unter welchen Bedingungen nationale Behörden CASPs nach dem 2. März 2026 weiterarbeiten lassen sollen, wenn ein PSD2-Zulassungsantrag rechtzeitig und vollständig gestellt wurde. Zugleich macht die EBA klar, dass Anbieter ohne geeignete Zulassung, ohne belastbaren Antrag oder ohne Kooperation mit der Aufsicht mit Einschränkungen, Einstellung betroffener Tätigkeiten oder Kundenausleitung rechnen müssen.

Regulatorisch geht es nicht um Bitcoin-Handel im Allgemeinen, sondern um funktionale Zahlungsnähe. Wird ein EMT übertragen, verwahrt, in einem Wallet geführt oder im Auftrag eines Kunden an Dritte gesendet, kann der Dienst Zahlungsfunktionen übernehmen. MiCA allein ist dann nicht zwingend ausreichend. Je nach Modell kann zusätzlich eine Zahlungsdienstelizenz, eine Partnerschaft mit einem Zahlungsinstitut oder eine Anpassung des Produkts notwendig werden.

Damit verschiebt sich die Krypto-Zahlungsbranche aus der Innovationsphase in die Durchsetzungsphase. Die zentrale Frage für Anbieter, Banken und Geschäftskunden lautet 2026 nicht mehr: „Ist das ein Krypto-Asset?“ Sondern: „Erfüllt dieser Dienst funktional einen Zahlungsdienst — und ist der regulatorische Umfang sauber lizenziert?“

Die Einordnung in drei Punkten

Was ist passiert?

Die EBA hat nationale Aufsichtsbehörden zum Ende der No-Action-Übergangsphase beraten. Ab dem 2. März 2026 werden bestimmte EMT-Transaktionen von CASPs, die wie Zahlungsdienste funktionieren, stärker an PSD2-Zulassung und Zahlungsaufsicht gekoppelt.

Warum ist es relevant?

MiCA ist keine Generallizenz für Zahlungsverkehr. Wer Token im Kundenauftrag überträgt, Wallets als Zahlungskonten betreibt oder EMT-Zahlungen ermöglicht, muss die eigene Funktionalität gegen PSD2 prüfen.

Was bedeutet es?

Krypto-Anbieter brauchen 2026 eine klare Lizenzstrategie: eigene Zahlungsinstitutszulassung, regulierte Partnerbank, Produktumbau oder Rückzug aus bestimmten Zahlungsfunktionen.

Krypto-Zahlungen verlassen die Randzone. 2026 entscheidet sich, welche Anbieter regulierte Zahlungsinfrastruktur werden.

Was bedeutet das konkret?

Für Nutzer

Krypto-Zahlungen können verlässlicher, aber auch stärker geprüft werden. Nutzer sehen mehr Identifikation, stärkere Authentifizierung und möglicherweise weniger graue Anbieter.

Für Geschäftskunden

Unternehmen sollten prüfen, ob ihr Krypto-Zahlungsanbieter nicht nur MiCA-konform ist, sondern Zahlungsfunktionen rechtssicher abbildet. Sonst entstehen Abwicklungs-, Liquiditäts- und Compliance-Risiken.

Für Anbieter

Das Krypto-Team wird zum Zahlungsdienste-Team. Entscheidend sind Lizenzumfang, Partnerstruktur, SCA, Betrugsreporting, Kundengelder, EMT-Liquidität und operative Aufsichtsfähigkeit.

MiCA ist kein Freifahrtschein. Wenn ein Dienst wie Zahlung funktioniert, zählt seine Zahlungsfunktion.

PSD2/MiCA-Entscheidungskarte

Diese Seite ist als Torinel-Referenz zur PSD2/MiCA-Schnittstelle angelegt. Der Nachrichtenanlass ist das Ende der No-Action-Übergangsphase; die dauerhafte Relevanz liegt in der Frage, wann ein Krypto-Dienst funktional Zahlungsdienst wird.

Die Karte übersetzt die EBA-Logik in operative Fragen. Entscheidend ist nicht das Etikett „Krypto“, sondern ob der Dienst einen EMT wie Geld überträgt, verwahrt oder für Zahlungen nutzbar macht.

PrüfschrittRegulatorische FrageOperative Konsequenz
TokenartHandelt es sich um einen Electronic Money Token, der einen Anspruch auf Fiatgeld repräsentiert?EMTs fallen unter MiCA, können aber zusätzlich Zahlungsdienste berühren.
KundenauftragÜberträgt der Anbieter EMTs im Auftrag eines Kunden an Dritte?Die Tätigkeit kann als Zahlungsdienst einzustufen sein.
Wallet-FunktionErlaubt das Wallet Senden und Empfangen von EMTs gegenüber Dritten?Das Wallet kann zahlungskontoähnliche Funktionen übernehmen.
LizenzumfangHat der Anbieter PSD2-Zulassung, Zahlungsinstitutspartner oder eine klare Ausnahme?Ohne belastbare Struktur drohen Einschränkungen, Produktumbau oder Kundenausleitung.
AufsichtsfähigkeitSind SCA, Betrugsmeldung, Eigenmittel, Kundenkommunikation und operative Kontrollen vorhanden?Zahlungsnähe erzeugt Zahlungsaufsicht — nicht nur Krypto-Aufsicht.

Die Begriffe, die 2026 wichtig werden

Die PSD2/MiCA-Schnittstelle wird im Alltag nicht als Gesetzesnummer sichtbar, sondern als neue Klassifikation: Welche Krypto-Funktion ist noch Asset-Service, und welche ist bereits Zahlungsdienst?

Functional Payment Services

Regulatorische Logik: Wenn ein Dienst wie Zahlung funktioniert, wird seine Zahlungsfunktion geprüft — unabhängig davon, ob die Oberfläche „Krypto“ sagt.

CASP

Crypto-Asset Service Provider nach MiCA. Ein CASP kann zusätzlich PSD2-Pflichten auslösen, wenn er EMT-bezogene Zahlungsfunktionen übernimmt.

EMT

Electronic Money Token. Ein Krypto-Asset, das einen Anspruch auf eine Fiatwährung abbildet und deshalb besonders nah an Zahlungsverkehr und E-Geld liegt.

No-Action-Phase

Die befristete EBA-Toleranzphase, in der bestimmte Anbieter weiterarbeiten konnten, während sie Zulassungsfragen klären.

Dual Licensing

Die strategische Frage, ob ein Anbieter neben MiCA auch eine Zahlungsdienstezulassung braucht oder über einen regulierten Partner arbeitet.

Lizenzentscheidung für Krypto-Zahlungsanbieter

Für Vorstände und CFOs ist die Kernfrage nicht juristische Detailarbeit, sondern Geschäftsmodellsteuerung. Wer Zahlungsfunktionen selbst kontrollieren will, braucht andere Kosten, Kontrollen und Haftung als ein Anbieter, der über regulierte Partner geht.

EntscheidungEigene ZahlungsinstitutszulassungRegulierter Partner
KontrolleMehr Kontrolle über Produkt, Marge und Kundenerlebnis.Schnellerer Marktzugang, aber Abhängigkeit von Partnerbank oder PSP.
KostenHöhere Lizenz-, Compliance-, Eigenmittel-, Prüfungs- und Personalaufwände.Partnergebühren, technische Abhängigkeiten und geringere Flexibilität.
Time-to-marketLangsamer, aber strategisch stabiler.Schneller, aber stärker abhängig von Partner-Risikopolitik.
AufsichtDirekte Verantwortung gegenüber Zahlungsaufsicht.Geteilte operative Verantwortung, aber strenge Partnerprüfung.
SkalierungGeeignet für Anbieter mit langfristiger Zahlungsstrategie.Geeignet für Anbieter, die Zahlungsfunktionen ergänzend anbieten.

Torinel Regulierungs-Friktionsindex™

Friktion entsteht, wenn ein Krypto-Anbieter produktseitig wie ein Zahlungsdienst arbeitet, regulatorisch aber noch wie ein reiner Asset-Service denkt. 2026 wird diese Lücke operativ sichtbar.

FriktionspunktTypischer AuslöserWirkung
LizenzlückeMiCA-Zulassung vorhanden, aber EMT-Zahlungsfunktion nicht PSD2-abgedeckt.Produktstopp, Partnerzwang oder beschleunigter Lizenzantrag.
EMT-LiquiditätNur konforme EMTs bleiben für Zahlungsfunktionen belastbar einsetzbar.Nicht-konforme Token verlieren Zahlungsnutzen und Liquidität.
KundenausleitungAufsicht lässt Fortführung nur unter Bedingungen zu.Bestandskunden müssen migriert, begrenzt oder ausgelagert werden.
SCA und BetrugWallet-Zugang und EMT-Transfer benötigen stärkere Authentifizierung und Fraud Reporting.Krypto-UX wird bankähnlicher und weniger friktionslos.
PSD3/PSR-ÜbergangKünftige EU-Zahlungsregeln werden stärker harmonisiert.Nationale Interpretationsspielräume sinken; Anbieter brauchen europäische Zielarchitektur.

Der wichtigste Vermögenswert eines Krypto-Zahlungsanbieters ist 2026 nicht der Tokenbestand. Es ist der saubere regulatorische Umfang.

Wie diese Krypto-Zahlungsanalyse in das Torinel-System passt

Diese Analyse erklärt, warum Krypto-Zahlungen 2026 in die gleiche Infrastrukturdebatte rücken wie Digitaler Euro, Instant Payments, AMLA und Geschäftskonten: Wer Geld bewegt, wird Zahlungsinfrastruktur.

Aktualisierungsstatus

Diese Seite soll nicht als einmaliger Nachrichtenartikel altern. Sie bleibt die Torinel-Referenz zur AMLA-Ära und wird aktualisiert, wenn AMLA neue Leitlinien, direkte Aufsichtsschritte oder relevante Methodiken veröffentlicht.

  • Diese Seite wird aktualisiert, wenn EBA, EU-Kommission oder nationale Aufsichten neue PSD2/MiCA- oder PSD3/PSR-Leitlinien veröffentlichen.
  • Die Torinel-Einordnung verfolgt, ob CASPs eigene Zahlungsdienstezulassungen aufbauen, mit Banken kooperieren oder Zahlungsfunktionen zurückfahren.
  • EMT-Liquidität, Dual-Licensing, Travel Rule, SCA und Kundenausleitung bleiben die Kernindikatoren für operative Belastbarkeit.

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